Immer auf dem Laufenden über aktuelle Termine, Veranstaltungen und Neuheiten.
Newsletter verpasst?
In unserem Archiv kannst du alle vergangenen Newsletter noch einmal ansehen!
_________________________
_________________________
Was zeichnet Lehle Produkte aus?
_________________________
Das aktuelle Programm in der Fabrik:
_________________________
Das aktuelle Programm vom Jazzclub im Stellwerk:
_________________________
Das aktuelle Programm vom Downtown Bluesclub im Landhaus Walter
Die Gitarre als Liebhaberstück und Geldanlage
Was früher „alt“ war, ist heute „Vintage“ und verspricht hohe Renditen. Auf der ganzen Welt suchen Experten für Anleger nach elektrischen Gitarren, mal weil sie Wertsteigerungen, mal weil sie großen Genuss versprechen.
Nach 20 Jahren war Wolfgang Eistert die Suche leid - die Suche nach dem heiligen Gral. „Ich war einfach müde“, sagt er. Bis 2007 führte Eistert ein Gitarrengeschäft in der Nähe von Heidelberg, das einzige in Deutschland, das ausschließlich mit alten Instrumenten handelte. Vor allem in Amerika spürte er wertvolle Gitarren auf und vermittelte sie an Investoren in ganz Europa. Denn was früher „alt“ war, ist heute „Vintage“, eine Bezeichnung für Sammlerstücke, - und verspricht hohe Renditen.
Historische Musikinstrumente als Geldanlage stellen eine lukrative Alternative zu Aktien oder Immobilien dar - aber auch eine mit hohem Risiko. „Vintage-Gitarren als Investition kann ich in jedem Fall empfehlen, aber mit allergrößter Vorsicht“, sagt Eistert. Nach seiner Schätzung seien nur zehn bis 15 Prozent der auf dem Markt gehandelten Instrumente original. Zuletzt sei er nur noch mit der Erstellung von Expertisen und Gutachten beschäftigt gewesen, sagt Eistert.
Markt hat konsolidiert
Er suchte vor allem nach Gitarren der Marken Gibson und Fender aus den fünfziger und sechziger Jahren - aus der goldenen Ära der Instrumentenherstellung, bevor Großkonzerne die amerikanischen Gitarrenbauer aufkauften und die Produktionskosten drückten - zu Lasten der Qualität. So wurde etwa eine Gibson Les Paul aus dem Jahr 1960 im April 2009 vom New Yorker Auktionshaus Christie's für 182.500 Dollar versteigert. Diese ging einst für weniger als 300 Dollar über den Ladentisch. Eine Les Paul aus dem Baujahr 1959, von denen lediglich 1800 Stück gebaut wurden, ist heute sogar zwischen 200.000 und 300.000 Dollar wert.
Das amerikanische Fachmagazin „Vintage Guitar“ veröffentlicht jährlich einen Index, indem je 14 Gitarren der Marken Fender, Gibson und Martin zusammengefasst sind. Waren die 42 Gitarren im Jahr 1991 zusammen 153.725 Dollar wert, stiegen sie jährlich um durchschnittlich 9,7 Prozent im Wert bis auf knapp eine Million Dollar im Jahr 2008. Seitdem geht es jedoch abwärts, rund 800.000 Dollar sind die 42 Gitarren derzeit noch wert.
„Der Markt war überhitzt, jetzt sind wir wieder auf einem gesunden Niveau angekommen“, sagt Johannes Döbertin, Mitinhaber und Geschäftsführer des Hamburger Musikhauses „No.1 Guitar Center“, einem der ersten Geschäfte in Deutschland, das sich auf den Verkauf von elektrischen Gitarren aus Amerika spezialisierte. „Wer vor zwei Jahren eine dieser Gitarren gekauft hat, kann sie heute nur mit Verlust wieder loswerden“, sagt Döbertin, der jedoch langfristig wieder eine Wertsteigerung erwartet.
Nostalgie der Babyboomer
Die Hälfte des Umsatzes machen Döbertin und sein Geschäftspartner Thomas Weilbier heute mit Vintage-Gitarren. Vor Jahren spielten sie mit der Idee, einen Gitarren-Fonds aufzulegen und verhandelten schon mit Banken. „Aber der Markt ist sehr begrenzt“, sagt Döbertin. Nur sehr wenige würden den Erwerb einer solchen Gitarre als reine Geldanlage betrachten - die meisten Käufer seien Sammler und Liebhaber, die sich einen Jugendtraum erfüllten.
Die Akteure auf dem Markt der Vintage-Gitarren sind die Mitglieder der Babyboom-Generation. Sie wollen besitzen, was einst ihre Idole auf der Bühne spielten, und sind bereit, dafür hohe Preise zu bezahlen. „Diese Gitarren haben eine ganze Ära geprägt“, sagt Simon Gauf, Co-Autor des Buches „Die große Gibson Les Paul Chronik“ und früherer Produktmanager von Gibson. „Sie sind ein Stück Zeitgeschichte.“
So kaufte Bernhard Paul, Direktor des Zirkus Roncalli, Gitarrenmodelle auf, wie sie die Beatles spielten. „Ich habe noch nie in meinem Leben Wertpapiere gekauft. Eine Gitarre hat einen ganz anderen sinnlichen Genuss als ein Papier im Tresor“, sagt Paul, der die Gitarren selbst spielt und nicht vorhat, sie irgendwann zu verkaufen. „Dass die Gitarren wertvoller werden, ist nur ein netter Nebeneffekt.“
„Gitarren sind wie Stradivaris“
Paul sammelt auch Keyboards und Schlagzeuge. „Aber die steigen nicht derart im Wert. Gitarren dagegen sind wie Stradivaris.“ Instrumente des berühmten italienischen Geigenbauers erzielen noch immer Millionenwerte bei Auktionen. Im Mai 2006 wurde eine Stradivari aus dem Jahr 1707 in New York für 3,5 Millionen Dollar versteigert. „Stradivaris sind allerdings in einer Zeitspanne von 250 Jahren im Preis gestiegen, die Gitarre in einem Zeitraum von 40 bis 60 Jahren“, sagt Döbertin.
Zwar können auch Flügel von Steinway aus den Jahren zwischen 1929 und 1958 heute für ein Vielfaches ihres ursprünglichen Preises verkauft werden, aber Döbertin ist sich sicher: „In der jüngeren Geschichte ist kein Instrument in der Wertsteigerung vergleichbar mit der E-Gitarre.“ So ist die britische Investmentfirma Anchorage Capital dem Vorbild amerikanischer Stradivari-Fonds gefolgt und hat einen Fonds mit Vintage-Gitarren aufgelegt.
Fans haben oft das Nachsehen
Noch teurer wird eine Gitarre, ging sie einst durch berühmte Hände. Auf der Frankfurter Musikmesse wurden unlängst zwei der wertvollsten Gitarren der Welt ausgestellt: Eric Claptons „Blacky“ und Stevie Ray Vaughans „Lenny“ - zusammengenommen rund 1,8 Millionen Dollar wert. Paul Allen, Mitbegründer von Microsoft, kaufte einst für 1,6 Millionen Dollar die weiße Fender Stratocaster, mit der Jimi Hendrix 1969 in Woodstock gespielt hatte.
Eine Akustikgitarre OM-45 Deluxe von Martin, die dem Countrymusiker Roy Rogers gehörte, wurde im vergangenen Jahr von Christie's für 554.500 Dollar versteigert. Döbertin hat in seinem Hamburger Geschäft Gitarren an der Wand hängen, die von Bob Dylan, den Scorpions oder den Eagles gespielt wurden. Nicht nur eine freudige Angelegenheit für den Gitarrenliebhaber, „sondern auch eine traurige Geschichte“, wie Döbertin sagt. „Die besonderen Gitarren werden den Gitarristen durch die Investoren vorenthalten. Ich kenne keinen Gitarristen im deutschsprachigen Raum, der sich solch eine Gitarre leisten könnte.“
Auch Detlef Alder, Inhaber des Geschäfts „Guitar Point“ in Maintal, sucht weltweit Gitarren für professionelle Anleger, die sich aus dem Aktienmarkt zurückziehen. „Seit der Lehman-Pleite gibt es eine Flucht in die Sachgüter“, hat Alder festgestellt, zu dessen Kunden zahlreiche Prominente und Banker aus Frankfurt gehören. „Ich kenne einige, die sich in den letzten drei Jahren Sammlungen von 250 Gitarren aufgebaut haben“, sagt Alder. Im ungünstigsten Falle bekämen diese Investoren bei einem Verkauf der wertvollen Instrumente ihren Einsatz wieder. „Aber bis jetzt sind diese Gitarren eine todsichere Sache. Wer in Vintage investiert hat, hat seine Schäfchen im Trockenen.“
Von Arne Leyenberg (30. April 2010)



